Susi und Simon unterwegs

2 Monate in China
 
 

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Neues aus dem Reich der Mitte


Hallo ihr,

heute gibts mal Post aus China.
Ihr solltet das als etwas besonderes betrachten, da es wirklich nicht ganz einfach ist von hier aus das Internet zu nutzen.

Wir mussten zum Beispiel extra einen neuen Blog einrichten, der heisst:
http://susimon.myblog.de/susimon/
und um unnoetige Spam-Mails zu vermeiden werdet ihr alle weiteren Nachrichten dort finden.
Fotos gibts leider erst mal keine - das hochladen funktioniert nicht. Freut euch daher auf die Zeit, wenn wir wieder da sind.

Ueberall im Land sieht man, dass China rasant zu anderen Industrielaendern aufholt. Ueberall werden riesige Bauprojekte vorangetrieben, Strassen, Hochhauser, U-Bahnen es entsteht alles mit einer Geschwindigkeit, die einen an das Computerspiel SimCity erinnert. Ein Mausklick und Rummms steht mitten in der gruenen Wiese ein Wohngebiet, wahlweise eine touristisch attraktive Pagode oder eine rauchende Fabrik. Der Pekinger Westbahnhof ist einfach nur gigantisch. Der Baustil bleibt dabei meist den Protzbauwerken der Sowjetzeit treu, mit einigen chinesischen Ausschmueckungen wie einem kleinen Pavillion auf dem Dach.
Der Mensch bleibt bei solcher Architektur meist auf der Strecke. So verfuegt auch der Westbahnhof noch nicht ueber einen U-Bahnanschluss, sondern nur ueber eine voellig ueberlastete Buslinie und die Distanzen die zu Fuss zurueckgelegt werden muessen sind buchstaeblich genauso gigantisch wie die Bauwerke selbst. Rolltreppen gibts spaeter dann. Fuer Behindertengerechte Aufzuege fehlen Platz und Zeit.

Diese Entwicklung verbindet sich mit dem chinesischen Hang zur Improvisation. Wir Deutschen werden ja ueberaus bewundert fuer unsere akurate Arbeitsweise, im Grunde aber ueberlegen sich viele Chinesen "Warum diese uebertriebene Genauigkeit? Das Meiste laesst sich doch auch durch Augenmass abschaetzen". Es gibt auch ein woertliches chinesisches Aequivalent fuer den schoenen schwaebischen Ausspruch "Basst scho!": "Cha bu duo!".
So wird bei Fahrraedern konsequent auf die Gangschaltung und meist auch auf die Bremsen verzichtet - wer braucht schon so komplizierten Schnickschnack? Stattdessen einen eleganten Lack und eine ordentliche Klingel. In den Autos muessen meist als erstes die Sicherheitsgurte dranglauben - wie in sovielen anderen aussereuropaeischen Laendern.

Damit waeren wir beim Bericht ueber unsere eigentlichen Erlebnisse, bei denen die mit dem chinesischen Verkehrswesen einen bedeutenden Teil ausmachen.

2.9.09 14:20, kommentieren

FW: Liebe Gruesse aus Diayugan im Hexi-Korridor


Jetzt sind wir in Diayugan im Hexi-Korridor, also dem westlichen Endpunkt des imperialen Chinas. Der Name der Stadt bedeutet "letzte Festung vor dem Nichts". Wir haben uns Fahrraeder geliehen und sind damit vor die Tore der Stadt geradelt um die sogenannte Jadetorfestung zu sehen. Zunaechst haben wir aber einen wunderschoenen Tempel gefunden und zu unserem Entsetzen stellten wir fest, dass sie (also die Chinesen) einen Vergruegungspark direkt neben die Festung gebaut haben. In die Festung allein konnte man also gar nicht hineingelangen ohne auch den Eintritt fuer den Park zu bezahlen (und 10 Euro pro Nase wollten wir uns den Spass nicht kosten lassen). Also beschlossen wir um den gesamten Komlex herumzuradeln. Die Festung sieht sehr imposant aus, da sie mitten in die Wueste gebaut wurde. Sie hat riesige Mauern und beinhaltet mehrere Tempel und weitere Gebaude. Die Mauer, welche hier aus reinem Lehm zu bestehen scheint, verlaeuft links und rechts in die Weite der Wueste hinaus. In der Ferne erkennt man die Berge des Heishan.
Genau in die Richtung sind wir dann weitergeradelt und kamen zu zwei restaurierten Stuecken der Mauer. Das erste, welches wir dann auch bestiegen haben, reichte auf einen der ersten Huegel hinauf und von dort konnte man auch das zweite Teilstueck erkennen. Welch ein Glueck, dass wir uns nicht dafuer entschieden haben, denn vor der Mauer befanden sich Statuen einer Kamelkarravane, also Kamele in Lebensgroesse. Ausserdem noch ein Maodenkmal und ein Tempel, der so unecht wirkte wie die anderen Stuecke. Vor allem beim Anblick der Pagode waehnten wir uns einmal mehr in dem Computerspiel Sim-city.
Das Gebirge ist ein typisches Gebirge der Trockengebiete. Es ist nahezu vegetationsfrei, hat ueberall schroffe Kanten und zur Ebene hin verlauft es zunaechst steil als Pedimentflaeche und dann sehr sehr flach in einer Salztonebene aus.
Durch diese Ebene sind wir gestern auch mit dem Bus aus Mati Si gekommen. Dort haben wir eine atemberaubende Gebirgswanderung zu einem Wasserfall gemacht und wunderschoene Tempel, die in eine Felswand in ueber 30 Meter Hoehe gemeiselt waren gesehen. Waehrend dort die Bauern Heuballen angehaeft hatten und mit dem Dreschen beschaeftigt waren, werden hier in Unmengen Zwiebeln, Tomaten und andere Dinge angbaut. Wo das Wasser dafuer herkommt haben wir heute auch gesehen, als wir in eines der schroffen Taeler hineingeradelt sind. Ein Staudamm speichert vermutlich das Wasser aus der Schneeschmelze. Aus diesem Grund wird die Wueste hier an manchen Stellen zur Oase.
Der Weg zureck in die Stadt war ziemlich ernuechtert. Wer sich bisher in einem Maerchen aus "Tausend und einer Nacht" gewaehnt hat wird schnell in die chinesische Realitaet zurueckgeholt. Wir radelten direkt auf ein Industriegebiet mit riessigem Ausmass zu und auch die Vororte der Stadt glichen an manchen Stellen einem Mustervorort aus Simcity - vorgefertigte Muster wie ein jedes Haus auszusehen hat - und davon dann gleich mal 50 Haeuser beieinander. Weiter innerhalb der Stadt fanden wir aber auch einen sehr vergnueglichen Vorort, der den Hutongs aus Peking glich. Ausserdem war dort ein Markt direkt an und auf der Strasse und alles schien sehr froehlich zuzugehen.
Morgen gehts weiter in ein Bergdorf in dem Kupfer abgebaut wird. Von dortaus wollen wir noch einmal wandern gehen. Vielleicht zu einem Gletscher, vielleicht aber auch nicht...mal sehen. Sicher ist aber, dass wir danach nach Dunhuang, unserem westlichsten Ziel reisen werden und dort wollen wir in den Yadan-Nationalpark und die Magaogrotten ansehen. Danach gehts zurueck nach Lanzou, wo wir Wolfi treffen werden.
Viele Liebe Gruesse auch an alle anderen!
Susi uns Simon

1 Kommentar 4.9.09 13:08, kommentieren

Verkehrswesen


Es gibt auf dieser Welt wahrscheinlich kein zweites Land, wo soviel gehupt wird wie in China.
Das Auto gilt hier wie auch in Deutschland als Statussymbol Nummer 1. Beijing, die Fahrradstadt ist lange passe. Was es aus der Fahrradaera noch gibt sind superbreite Radwege, auf denen man heute allerdings zunehmend mit Taxis konkurriert, die so den Hauptverkehr umgehen.
Zurueck zum Gehupe: in chinesischen Autos scheint in den Anfangsjahren die Bremse vergessen worden zu sein, jedenfalls denken alle, man kann nicht bremsen sondern nur hupen. Die Folge ist, dass man mit Hochgeschwindigkeit auf 6-spurige Kreuzungen zudonnert und sich durch lautes Hupen ankuendigt. Vorfahrt hat immer der mit der lautesten Hupe oder derjenige, der am entschiedensten ausschreitet.
Wir hatten uns Raeder gemietet und sind durch Peking geradelt, Susis Kette ist mitten auf der fussballfeldbreiten Kreuzung runtergesprungen und seit wir das beide ueberlebt haben, kommen wir mit dem Verkehr zurecht. Susi meinte sogar sie faende das System super, kein unnuetzes warten vor leeren Kreuzungen und hinter Schleichern ....
Ich glaube allerdings, dass sie zum Zeitpunkt als sie das sagte noch unter Schock stand, wegen der Sache auf der Kreuzung.

Tatsaechlich sollte man vielleicht auch erwaehnen, dass wir noch keinen einzigen Unfall erlebt haben (toitoitoi), da das Chaos darueberhinwegtaeuscht, dass die Chinesen im Grunde ueberaus ruecksichtsvolle Menschen sind. Fussgaenger muessen - sofern sie vernuenftig sind - keine allzu grosse Angst haben.
Ueberhaupt die Menschen! Das ist ein ganz eigenes Kapitel.

4.9.09 14:09, kommentieren

China, das Land des Laechelns

Die Menschen in China laecheln oft. Das heisst sie laecheln jetzt auch nicht
haeufiger als wir Deutschen, aber wir werden oft so schief von der Seite
angeschaut, dass wir lachen muessen und dann wird zurueckgelaechelt und das
Eis ist gebrochen.
Wir haben in der kurzen Zeit hier schon soviele Male herzliche
Menschlichkeit erlebt, dass wir es kaum fassen koennen. Die Menschen helfen
einem wo es geht, sind neugierig und interessieren sich fuer das woher und
wohin. Auch die nahezu unueberwindliche Sprachbarriere erscheint da nur noch
unwesentlich. Wir haben uns schon mit Haenden und Fuessen ueber die
Zubereitung von Mahlzeiten, ueber deutsche Autos oder moegliche Wanderrouten
verstaendigt, wir haben die richtigen Bahnhoefe zur richtige Zeit gefunden
und auch mal eine Viertelstunde lang um ein T-Shirt und eine Muetze
gefeilscht.
Es waere vielleicht zuviel gesagt, dass immer alles 100-prozentig nach Plan
lief, gerade was dass Essen angeht stimmt das nicht, meist jedoch lief alles
glatt. Vorgestern beispielsweise waren wir in einem abgeschiedenen
Bergbautal in den Quilian-Shan-Bergen. Die muslimische Wirtin der kleinen
Bergarbeiterhuette konnte nicht lesen und wir kein Chinesisch, also endeten
wir mit leckerem Nudeln mit Chilli-Rindfleisch-Sosse (die wir nicht bestellt
hatten) und einem Salat, den wir zwar bestellt hatten, der aber nur aus
geschnippelten Chillis mit etwas Petersilie bestand. Der Wirtin war kein
Vorwurf zu machen, sie hatte sicherlich alles Gemuese aufgetrieben, dass in
der Einoede zu finden war. Letztenendes fanden wir heraus, dass mit der
richtigen Portion Chilli auch die verstopfsteste Nase wieder zu laufen
anfaengt. Das kam dann Susi zugute, die sich mit einer Schnupfen und etwas
Fieber herumplagt. Wir hoffen mal, dass das nicht die hinterhaeltige
Schweinegrippe ist.
Wenig spaeter nahm uns ein netter Chinese in seinem Pick-Up mit in ein
abgeschiedenes Tal des Quilian Shan - einfach so, wir hatten nicht mal den
Daumen rausgehalten. Andere Leute erkundigen sich nach dem woher und wohin
und sogar die chinesische Polizei hat uns bisher sehr zuvorkommend behandelt
:-)

Die Menschen in China laecheln oft. Das heisst sie laecheln jetzt auch nicht haeufiger als wir Deutschen, aber wir werden oft so schief von der Seite angeschaut, dass wir lachen muessen und dann wird zurueckgelaechelt und das Eis ist gebrochen.

?

Wir haben in der kurzen Zeit hier schon soviele Male herzliche Menschlichkeit erlebt, dass wir es kaum fassen koennen. Die Menschen helfen einem wo es geht, sind neugierig und interessieren sich fuer das woher und wohin. Auch die nahezu unueberwindliche Sprachbarriere erscheint da nur noch unwesentlich. Wir haben uns schon mit Haenden und Fuessen ueber die Zubereitung von Mahlzeiten, ueber deutsche Autos oder moegliche Wanderrouten verstaendigt, wir haben die richtigen Bahnhoefe zur richtige Zeit gefunden und auch mal eine Viertelstunde lang um ein T-Shirt und eine Muetze gefeilscht.

Es waere vielleicht zuviel gesagt, dass immer alles 100-prozentig nach Plan lief, gerade was dass Essen angeht stimmt das nicht, meist jedoch lief alles glatt. Vorgestern beispielsweise waren wir in einem abgeschiedenen Bergbautal in den Quilian-Shan-Bergen. Die muslimische Wirtin der kleinen Bergarbeiterhuette konnte nicht lesen und wir kein Chinesisch, also endeten wir mit leckerem Nudeln mit Chilli-Rindfleisch-Sosse (die wir nicht bestellt hatten) und einem Salat, den wir zwar bestellt hatten, der aber nur aus geschnippelten Chillis mit etwas Petersilie bestand. Der Wirtin war kein Vorwurf zu machen, sie hatte sicherlich alles Gemuese aufgetrieben, dass in der Einoede zu finden war. Letztenendes fanden wir heraus, dass mit der richtigen Portion Chilli auch die verstopfsteste Nase wieder zu laufen anfaengt. Das kam dann Susi zugute, die sich mit einer Schnupfen und etwas Fieber herumplagt. Wir hoffen mal, dass das nicht die hinterhaeltige Schweinegrippe ist.

?

Wenig spaeter nahm uns ein netter Chinese in seinem Pick-Up mit in ein abgeschiedenes Tal des Quilian Shan - einfach so, wir hatten nicht mal den Daumen rausgehalten. Andere Leute erkundigen sich nach dem woher und wohin und sogar die chinesische Polizei hat uns bisher sehr zuvorkommend behandelt :-)

1 Kommentar 7.9.09 12:09, kommentieren

Nachrichten aus dem Himalaya

Lange haben wir nix von uns hoeren lassen, dass tut uns leid. Schuld daran sind zwei Dinge: Wir sind sehr schnell gereist in den letzten Tagen und wir sind durch Gegenden gekommen in die das Internet noch nicht vorgedrungen ist. Immerhin hat man aber nahezu ueberall besten Handyempfang, sodass ich gestern meiner Mama "Alles Gute" aus einem gottverlassenen Dorf auf 4300 m Hoehe wuenschen konnte.
Als wir uns das letzte Mal gemeldet haben, waren wir noch in der Wueste unterwegs. In einer Gegend, in der sich die grosse Wueste Gobi und die Takla Makan beruehren. Wir haben einen Nationalpark besucht, der den Begriff "Yadan" fuer eine geologische Gesteinsformation gepraegt hat. Man findet dort aussergewoehnlich viele vom Wind geschliffene Felsen.
Ausserdem durchziehen Canyons das trockene Land. In diesen haben finden sich wunderbar ausgemalte buddhistische Grotten aus der Zeit von 400 n.Chr. bis etwa 1000 n.Chr. Zu dieser Zeit fand hier ein reger Handel ueber die Seidenstrasse statt. Die Gegend war sehr wohlhabend - was man heute nicht mehr behaupten kann.
Auch andere Reste der Seidenstrasse sind erhalten geblieben: Mauerteile die sogar bis zu 2000 Jahre alt sind, Festungen und viele Muslime, die auf den Maerkten Kebab zubereiten und in allen Staedten Moscheen erbaut haben.
Wir haben in Dunhuang eine ziemlich touristische Bustour mitgemacht, so richtig chinesisch: 5 Sehenswuerdigkeiten nacheinander, jeweils 2 Stunden Fahrt dazwischen, immer einige Minuten Zeit, die Kamera zu zuecken und weiter ging's.
Wir haben beschlossen, so etwas so schnell nicht wieder mit zu machen, ein Gutes hatte das Ganze jedoch. Auf der Tour haben wir Jens kennengelernt, er hat uns dann am naechsten Tag auch auf Schleichpfaden auf die hoechsten Duenen gefuert :-)
Jens ist aufstrebender Schriftsteller aus Deutschland und wird sicher bald beruehmt - seine Geschichten sind zumindest ziemlich spannend! Und weil immer nur alleine reisen doch zu langweilig ist, sind wir nun zu viert unterwegs.
Zu Viert bedeutet Susi, Simon, Jens und Wolfi, den wir nach einer 12-stuendigen Nachtbusfahrt in Lanzhou aufgegabelt haben.
Von Lanzhou ging es nach Xiahe, einen buddhistischen Vorposten, am Rande des tibetischen Hochplateaus. Das grosse Kloster Labrang steht hier, tatsaechlich macht es die Haelfte der Stadt aus, 4000 Moenche lebten vor den Unruhen der Kulturrevolution hier. Heute sind es immerhin wieder 1200 und ziemlich genau ebensoviele Gebetsmuehlen stehen entlang der Kreuzgaenge, die das Kloster umgeben. Auf einem 3 Kilometer langen Pilgerweg umrundeten wir es mit vielen glaeubigen Buddhisten. Diese kommen in ihren malerischen Gewaendern oft von weit her, um hier zu beten. Die typische Nomadentracht hier ist ein Mantel mit dickem Yakfell gefuettert, einem hohen Kragen und Aermeln die beinahe auf dem Boden schleifen. Die Farben sind verschieden, meist jedoch gedeckt, bis auf einen roten Guertel.
Von Xiahe ging es auf holprigen, aber spektakulaeren Strassen durch Schluchten hinauf in die Haupstadt von Qinghai. Qinghai ist die drittaermste Provinz Chinas, man spricht auch vom chinesischen Sibirien. Groesstenteils ueber 4000m gelegen ist es hier kalt, Straf- und Atomendlagerstaetten sind die Schattenseiten dieses riesigen Landes.
Waehrend in den Taelern ueberwiegend "Hui", also Muslime leben, die ihre Huetten und Hoefe hinter drei Meter hohen Lehmmauern verstecken, ist hier oben das Reich der Tibeter. Das fruehere Tibet umfasste drei Provinzen: Tibet, Kham und Amdo. Wir sind jetzt in Amdo unterwegs, Tibet selbst ist nur mit einem besonderen (besonders teuren) Visum zugaenglich.

1 Kommentar 14.9.09 04:21, kommentieren

Von Hoehen- und anderen Krankheiten

Wir sind ja nun eine lustige Reisegruppe aus vier Hauptdarstellern. Nicht zu vergessen sind allerdings die Nebendarsteller, die wir in unseren Koerpern mit uns fuehren. Zuerst hatte Susi Schnupfen und Fieber, kein Wunder bei der dreckigen Luft in den Grossstaedten. Dann hatte ich Schnupfen, dann hatte Susi Durchfall, dann ich Verstopfung, dann den gleichen Durchfall, dann Wolfi Kopfweh von der Hoehe, dann Jens Durchfall, dann ich Kopfweh von der Hoehe. Jetzt gehts uns grade allen ganz gut, mal davon abgesehen, dass wir die letzte Nacht durchgemacht haben, weil der Bus auf ueber 4000m Hoehe durch Schlagloecher rumpelte die uns bis zur Decke schleuderten. Gluecklicherweise ist man immer irgendwie abwechselnd fertig, so kann immer die Haelfte der Gruppe schoene Wanderungen unternehmen, waehrend der Rest sich eine Pause goennt. Insgesamt geht es uns also gar nicht so schlecht ;-) Von Xinining, der Haupstadt Qinghais ging es mit einem Nachtbus nach Maqin. Der Bus war ein Schlafwagen, jedoch waren die Betten mit 1,50 Metern eher auf einen Kindergartenausflug ausgelegt. Maqin liegt abseits der touristischen Routen. In der Naehe steht aber der heiligste Berg der oestlichen tibetischen Provinzen, der Amnye Machen. Leider haben wir ihn nur von weit weit weg gesehen, auch einer Wanderung in dem Gebiet wurde nichts, da die einzige Zugangsstrasse ueberschwemmt war. Stattdessen konnten wir ein paar andere kleine Berge besteigen und fantastische Aussichten ueber das karge tibetische Hochplateau in uns aufnehmen. Kein Baum steht hier, nur einige Weidengebuesche, Enziane von blau bis weiss und Edelweiss. Dazwischen grasen Yaks und Kaschmirschafe. Wir sind nun eine weite Strecke ueber dieses Hochplateau gefahren (820 km) und befinden uns in Yushu.

1 Kommentar 15.9.09 14:19, kommentieren

Schoene Tage in Yushu

Die letzten Wochen kreuzten des oeftern dicke Regenwolken unsern Weg. Das tibetische Hochplateau wirkt ungefaehr wie eine hochgelegene Herdplatte, die von der Sonne erheizt wird, die Luft darueber steigt auf und zieht Luft aus den chinesischen Tieflaendern nach sich. Bisher waren das schwere Monsunregenwolken.
Nun sind wir in Yushu, auf (nur noch) 3360m und es sieht nach richtig gutem Wetter aus. Gesund sind wir auch alle wieder, sogar Jens hat sich letztendlich auskuriert. Gerade kommen wir von einer ganztaegigen Bergtour zurueck. Wir sind ein einsames Tal hinaufgewandert, an dessen Ende einige Yakhirten ihre Huetten und Zelte aufgeschlagen haben. Von dort ging es immer hoeher hinauf, auf einen 4300m hohen kleinen Gipfel, von dem man ein wunderschoenes Panorama auf die umliegende Bergwelt hatte. In der Ferne glitzerten die Gletscher der 6000 und 7000er Gongga Shan und .... (Name vergessen).
Wir haben einen Adler vorbeifliegen sehen, sind an einer Yak-Herde vorbeigewandert, haben Murmeltiere, eine Art Himalya-Antilopen oder so was gesehen und viele kleine Hamsteraehnliche Tiere, die den Berg durchwuehlen.
Die Tour war absolut notwendig, nachdem wir gestern in einem sehr gastfreundlichen tibetischen Restaurant unfreiwilligerweise riesige Fleischberge vernichten mussten. Wir hatten die Speisekarte mal wieder nicht so recht im Griff ;-)

3 Kommentare 15.9.09 14:29, kommentieren

Es geht wieder bergab!!

Ganz allmaehlich muessen wir uns auf den Weg machen, hinunter vom tibetischen Hochplateau (in geologischer, nicht politischer Sicht) in Richtung auf das zentralsichuanesische Becken mit der Haupstadt Chengdu, wo ueberuebermorgen unsere Uni-Exkursion beginnen soll.
Zunaechst ging es in einer 12 stuendigen Tour ueber die letzten Auslaeufer des Plateaus und dann hinunter, an vergletscherten Gebirgen vorbei nach Ganzi. Auf der Fahrt sahen wir buchstaeblich unzaehlige Yaks und Nomadenzelte, nicht ganz soviele, aber doch fast 20 Kloester aller Groessen und Ausschmueckungen. Auf den Strassen sind halsbrecherische Minibusse und Moenche auf Motorraedern mit dem Beistand des Erleuchteten unterwegs. Wir hatten mit dem Ueberlandbus das durchsetzungsfaehigste Gefaehrt gewaehlt (weil: lauteste Hupe), das schuetzte uns jedoch nicht davor, von unserem Azubi-Busfahrer in den Graben befoerdert zu werden, als er versuchte eine Teermaschine zu umfahren.
Passiert ist nix, wir waren alle vorher ausgestiegen und knabberten Sonnenblumenkerne, bis wir beim Zurueckschieben mit Hand anlegen mussten. Dann ging es weiter, an Dzogchen vorbei, einer Klosterstadt direkt unter einem Gletscher (welch ein glazialer Formenschatz!!) und nach Manigango. Hier zweigt die Sichuan-Tibet-Fernstrasse nach Westen ab, in Richtung des beruehmten Klosters Dege. Auf den Haengen stehen erste Baeume und die Nomadenzelte weichen festen, wohlhabenden Bauernhaeusern. Diese sind zweisteockig mit einem Untergeschoss aus Lehm und einem Obergeschoss aus dicken Blockhausbalken. Das ganze hat meist eine grosse Terrasse auf dem Erdgeschoss und ein flaches Dach zum Fruechtetrocknen. Bunt bemalt sind die Dinger auch noch und spriessen ausserdem ueberall aus dem Boden. Es scheint den Leuten hier also nicht allzu schlecht zu gehen.
Abends kommen wir in Ganzi an. Am naechsten Tag machen wir uns wieder auf in die umliegenden Berge. Das Bauchweh hat mal wieder einen von uns eingeholt, daher wird aus den geplanten Hoehenfluegen nur ein weiter Spaziergang ueber Enzian- und Edelweiss uebersaete Hange. Abends holt uns Jens ein, den von dem wir uns eigentlich in Yushu verabschiedet hatten. Er hat einen indischen Wissenschaftler im Schlepptau, der Susi rohen Ingwer und Ingwertee gegen ihr Bauchweh verschreibt... es hilft tatsaechlich.
Am naechsten Morgen trennen sich unsere Wege einmal mehr. Es geht nun auf der Sichuan-Tibet-Fernstrasse (noerdliche Route, wer es genau wissen will) hinunter nach Danba. Die Fahrt ist ... interessant, Susi hat gestern erfahren, dass tibetische Frauen das Rauchen der Maenner ekelerregend finden und setzt ihr neues Wissen schlagfertig im verraeucherten Bus ein. Der Erfolg ist maessig, aber ein guter Anfang.
Ich futtere derweil Butterbrote. Ich habe gestern in meiner Verblendung gedacht es gaebe hier Kaese. Pustekuchen, waren nur 10kg Bloecke Butter, fuer die Buttermandalas und Skulpturen der Moenche. So hab ich ein suendhaft teures Pfund beste Yak-Butter erstanden und esse mich durch den ganz und gar landesuntypischen "Butterberg". Von den anderen will mir natuerlich auch keiner helfen!
Die Strasse fuehrt an einigen schneebedeckten Kalksteinbergen vorbei hinunter in eine tief eingeschnittene Schlucht. An deren Grund geht es entlang eines blauen Fluesschens bis in Chinas schoenste Stadt (National Geographic China). Das war im besten Fall hoffnungslose Uebertreibung, aber die grandiose Umgebung laesst die poplige chinesische Regionalstadt in einer dunklen Schlucht doch in etwas besserem Licht erscheinen.
So, und hier sind wir nun, mal gucken, was uns als naechstes einfaellt...

18.9.09 16:37, kommentieren

Neue Bilder sind online!!!

Unter "Bilder II" findet ihr neues Bildmaterial zu unseren zuletzt beschriebenen Abenteuern.

Ich hoffe ihr wisst das zu schaetzen, das kostet einen hier Stunden von Arbeit und ein unerschoepfliches Mass an Geduld, sowas zustande zu bringen :-)

 Uns geht's gut, wir sind in Chengdu und morgen geht die Uni-Exkursion los. Jipiieeeh!!!

 Viele liebe Gruesse an die ueblichen und auch alle anderen.

4 Kommentare 20.9.09 17:34, kommentieren

China-Exkursion 2009, die ersten Tage

So, einige Tage ist es her, dass wir zum letzten Mal von uns haben hoeren lassen.

In der Zwischenzeit haben wir 15 Kommilitonen aus Erlangen in Chengdu getroffen und unser Reisetempo nochmals beschleunigt, falls das ueberhaupt noch moeglich gewesen sein sollte.

Von Chengdu, der Haupstadt von Sichuan, ging es per Inlandsflug nach Kunming, der Hauptstadt von Yunnan. Dort logierten wir im ersten von mehreren sehr edlen Hotels. Die meisten haben bereits ein Foyer, dass uns sofort zu einem weiten Bogen veranlasst haette, wenn wir noch selbststaendig unterwegs waeren. Nun aber haben wir alle logistischen Aufgaben vertrauensvoll in die Haende von Fan gelegt, einem chinesischen Doktoranden unseres geschaetzten Professors. Es stellt sich heraus, dass auch chinesische Luxushotels durchaus mit sich handeln lassen, sodass eine Uebernachtung bei 6-8 Euro pro Person liegt - was nur ein Drittel deutscher Jugendherbergspreise ist.

Auch die Mahlzeiten finden nun regelmaessig, in geselliger Runde an grossen runden Tischen statt. Auf den Tischen befinden sich Drehscheiben aus Glas auf denen die Speisen kursieren. Jeder nimmt sich mit seinen Staebchen worauf es ihn gerade geluestet. Es wird so ziemlich alles geboten:

Schweinefleisch suess-sauer oder mit Kastanien, Erdnusskloesschen, Tofu-Suppe, komplettes Huhn in Einzelteilen im Suppentopf, Maden, knuspriger Fisch, Ente mit und ohne Schnabel, Chilli-Pommes, Spinat, Gurken, undundund ... eigentlich muesste man einen eigenen Blog-Eintrag verfassen um all die kulinarischen Koestlichekeiten zu nennen und zu beschreiben. Tatsaechlich haben wir nach den ersten paar Tagen das Gefuehl, wir befinden uns im falschen Exkurisonsbus: Essen, einsteigen, fahren, Essen, fahren, Essen, Schlafen, Essen - So muesste eigentlich der Tagesablauf fuer einen Hauswirtschafts- oder Ernaehrungswissenschaftler aussehen :-)

Tatsaechlich werden aber nicht nur die Geschmacks- und Gesaessnerven angesprochen, sondern es gibt auch einiges zu sehen.

Wir besuchen zerklueftete Kalksteinformationen in Shilin und fahren dann eine lange Strecke in Richtung Laos. Unser Ziel ist der groesste botanische Garten Asiens, der XTBG "Xishuanbanna Tropical Botanical Garden". Hier wuchert und gedeiht eine immergruene, tropische Regenwaldflora. Interessant ist, dass sie sich auf den gleichen Breitengraden wie die Sahara befindet, und nur aufgrund des starken Monsuns bestehen kann. Gut fuer uns, dass gerade die Trockenzeit beginnt. Auf unserer Haut perlt jedoch der Schweiss, sodass ein paar Regentropfen auch keien Unterschied mehr machen wuerden.

Drei Tage spaeter geht es wieder in hoehere Lagen in suptropische, moosueberwucherte Waelder. Mit richtig coolen Jeeps fahren wir auf eine abgelegen Forschungsstation, die sonst Touristen voellig unzugaenglich ist. Das heisst, fuer alle reichen die Gelaendewagen nicht, und so fahren Wolfi, Dennis und ich mit einem Minibus-Taxi und versinken prompt in einem Schlammloch. Da auch von den Gelaendewagen keiner ein Abschleppseil dabei hat, warten wir bis ein LKW ankommt und einen duenne Leine auspackt. Die wird hinten am kopfueber in der Pfuetze steckenden Auto festgemacht und per Tauziehen bekommen wir starken Maenner das Ding wieder auf trockenen Boden, wo es dann auch stehen bleibt. Wir uebrigen verteilen uns auf die Gelaendewagen und weiter gehts.

 

1 Kommentar 28.9.09 15:40, kommentieren